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Depeche Mode -- Martin Stories
Martin über sich (Seite 3)
Mit der Zeit entwickelte ich eine richtige Liebe für schwarzes Leder, was natürlich heuchlerisch ist, denn sowohl Alan als auch ich sind aus moralischen und gesundheitlichen Gründen Vegetarier. Schwarzes Leder ist einfach und kleidsam. Vielleicht liegt mein Lederfetischismus in der Tatsache begründet, daß ich die Schauspieler in dem Marlon Brando Film "The fugitive kind" mit ihren Schlangenlederjacken so extrem cool fand. Wenn mich heute jemand fragt, welche Interessen ich habe, so muß ich gestehen, daß mir dazu nicht viel einfällt. Ich hab mich nie an politischen Diskussionen beteiligt, weil die mir viel zu hitzig sind. Die Leute glauben, daß ich eine Menge schrullige Gewohnheiten habe, aber meine einzige Macke sind Videospiele. Ich habe zwar noch einige andere Interessen, aber ich glaube, die sind nicht sehr interessant für dich. Wenn die Post abgeht, ist meine Lache tierisch laut.

Humor ist sehr wichtig für mich und das Leben mit Depeche Mode bietet mir davon eine ganze Menge. Aber nicht der konventionelle Humor, der interessiert mich nicht, eher noch die Situationskomik. Ein normaler Tag fängt für mich damit an, daß ich so gegen Mittag aufstehe und auf der Gitarre komponiere. Manchmal tüftle ich auch verschiedene Sounds aus. Das ganze geht dann so bis acht! Ich bin kein großer Musiker, keiner ist es von uns, außer Alan. Mein Interesse gilt eher Hauptmelodien und der entsprechenden Lyrik. Ich sammle Schallplatten. Ich mag das Zeug vom At Atak Label, und Alternativen wie Joy Division und The Ramones. Von der neuen Romantikwelle schätze ich nur die Musik von Boy George. Sexuelle Barrieren sind Unsinn. Meine Freundin und ich tauschen Klamotten, Make-up und so; was ist schon dabei. Andererseits ist es ein ganz schöner Schock für mich, wenn Bravo schreibt, daß ich nur noch wie eine Frau herumlaufe. Die Arschlöcher erfinden sowieso alles! Ach ja, genau wie Boy George hab ich auch mal Soft Cell und Marc and the Mambas gemocht. Andererseits haben auch Gruppen wie Einstürzende Neubauten ganz gute Ideen, aber anhören, das ist 'ne andere Sache. Ach ja, und dann noch Kraftwerk, die haben stets einprägende Ideen. Schließlich ist noch der Pop der sechziger Jahre ganz ordentlich, obwohl der auch nur aus simplen Harmonien und Wortfetzen besteht. Depeche Mode gebrauchen futuristische Klänge, um sich von dem üblichen Pop - Sumpf abzuheben. Die Erfahrung, selbst mal so spießig gewesen zu sein, hat uns stark gemacht. Nun tun wir das, was wir wollen, ohne uns in die Zwangsjacke der Medien pressen zu lassen. Aus der nationalen Presse waren wir seit 1981 heraus; schon allein deshalb kann man uns nicht mit Duran Duran vergleichen. In England ist es total einfach berühmt und vergessen zu werden. Auf der anderen Seite heben wir in Europa ohne Werbung trotzdem riesigen Erfolg gehabt. Ich bin nach Berlin gezogen, weil mich das pulsierende 24 stunden leben dieser Großstadt faziniert. Ich liebe es, die ganze Nacht rumzulaufen und im Ledermantel versteckt die Leute zu beobachten. Ist das etwa abartig. Bisher habe ich leider noch nicht so viel Zeit gehabt, in meiner Wohnung zu leben. Das ist aber nicht so tragisch, weil ich mit dem Flugzeug in zwei stunden in Basildon bin. Allerdings gibt es eine Sache, die mich wirklich ärgert: vor einigen Jahren hat meine Mama nämlich alle meine "Disco 45" weggeschmissen. Ich habe es ihr nicht verziehen"

aus Kai Braun's "All about the Bas Bond", Mai 1986, Teile dieses Interviews finden sich 1990 in Jürgen Seibold's DM Biographie wieder

Stories
(c)Oona Baur 2001