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Depeche Mode -- die Songs
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Midi von: Midi Violtion

Interpretation von
A photograph of you

Da muss man zunächst verstehen, wann es war und was passiert war: es war 1982, der Songwriter "Mart" Gore um die 21 - 22 Jahre alt. Der bisherige Songwriter Vince Clarke verlässt die vielversprechende Band, die zu Beginn ihrer Karierre stand, mit einer ihm seltsamen Begründung, dass ihm nie am Ruhm der Band gelegen war, vielmehr er eine Art "Selbstverwirklichung" in DM gefunden hatte, die mit kommender Kommerzialisierung nicht mehr gegeben war. Zu allem Unglück hatte sich Marts damalige Freundin zu einem "Partnertausch" entschieden: sie entschied sich für Vince und liess Mart stehen. Das alles stürzte die Band in eine tiefe Krise. Mart und Vince waren zusammen in Basildon aufgewachsen, hatten dauernd miteinander zu tun und lagen ungefähr auf der selben Wellenlänge. Sie hatten die Idee Depeche Mode weitgehendst zusammen entwickelt, Vince schrieb fast alle Songs. Das sollte nun zu Ende sein? Martin war ratlos, die anderen nicht weniger. Glück für uns, dass er seine Gefühle zu Papier und auch Komponiert hat. Das erste Album ohne Vince, die "A Broken Frame" entstand. Der Titel ist bezeichnend: Marts Welt wurde auf den Kopf gestellt, seine bisherigen Vorstellungen zerbrochen. Bitte---er war 22 Jahre alt, was man hier in Deutschland  weithin als "Jungen Erwachsenen" bezeichnet. Er weiss nicht, was die Charts, die Welt, die aufkommende Fangemeinde von ihm erwartet. Er weiss nur, was seine Basildoner Kumpels wollen: die Leiter weiterhin irgendwie aufwärts. Er kann nur das, was ihm Eigen ist: seine Gefühle zu Papier bringen. Seine Einsamkeit, seine Verlüste, die er zu beklagen hatte, der Bedauernswerte war quasi alleine auf der Welt. Und einem gewissen Druck der Öffentlichkeit preisgegeben. So entstand auch dieser Song "A Photograph of you". Er mag auf den ersten Blick recht banal klingen, auch der Text einer Leidengeschichte gleich, die auch einem Teenager widerfahren könnte.
Das Mädel verlässt Dich und Du bist verbittert. Kannst aber nicht loslassen. Leider beschleicht mich seit dem Anhören des Songs, dass er auch ein wenig Vince gilt. Dieses "feel blue" kann sich ebenfalls auf ihn beziehen.
Die Melodie ist ohne Text beschwinglich, fast heiter, mit einem leicht melancholischen Unterton. Zieht man allerdings den Text dazu, dann sieht man die Misere: in Form von "Dancing with tears in my eyes" nur etwas subtiler. Ich mache weiter, wenn auch unter Qualen, alle tanzen, und ich tanze auf meine Art mit.  Das Lied ist mehr als eine Verarbeitung des Liebeskummers, mehr als eine kleine Anklage, mehr als eine Form des Abschied nehmens. So wie das ganze Album. Eine Meisterleistung in Anbetracht der Umstände und der Zeit. Und ein Leid, dessen Veröffentlichung viel Mut erfordert hat. Die Angesprochenen werden's zur Kenntnis genommen haben.

Stories
(c)Oona Baur 2001